STRATEGIE

Wie man typische Anfängerfehler vermeidet

Folde schwache Starthände



T3 offsuit ist keine gute Starthand. Denn trifft man die T, so hat man mit der 3 einen schlechten Kicker. Trifft man die 3, so wird man von nahezu allen anderen Pärchen dominiert. Ähnlich ist es mit Karten wie 72, 73, 92, 93, T2 etc. Um sich nicht Postflop in blöde Situationen zu bringen, sollten derlei Hände bereits am Flop gefoldet werden.
Da sich in diesem Fall alle anderen Spieler entschieden haben ihre Blätter zu folden, wird sich der SB gedacht haben er könne hier sein Glück probieren. Er trifft mit seiner T das Bottom Pair und macht eine halfsize Pot Bet. Und obwohl er gereraised wird, entscheidet er sich hier zum Reraise All-In. Ein absoluter Fehler. Das Board weist eine hohe Straight Gefahr auf. Zudem wäre jedes Paar stärker als seines (außer T2). Der SB hätte das Reraise des BB ernst nehmen müssen und allerspätestens dort folden müssen. Letzten Endes verliert er zu Recht gegen eine gefloppte Straight.


Achte auf deinen Kicker



Man sieht in diesem Fall sehr schön wie A2 offsuit, AT suited und AQ offsuit aufeinander treffen. Sofern alle Beteiligten nur das As treffen, geht diese Hand selbstverständlich an den SB, der AQ hält. Daher ist es wichtig sich vornherein über die Stärke bzw. Schwäche des Kickers bewusst zu sein.
Spieler C erhöht Pre-Flop um 4 BB. Spieler D sollte in diesem Fall bereits folden. Er hat nur noch $0.80 und sollte auf ein besseres Blatt für seinen All-In Move warten. Denn ein As mit besserem Kicker ist sehr häufig im Umlauf.
Auch Spieler E wird vom SB dominiert. Als seine Flop-Bet gecallt wird, drosselt er zu Recht das Tempo. Eine Maßnahme, die absolut korrekt ist, um nicht unnötig noch mehr Geld zu verlieren. Sein Call auf dem River ist Ordnung, da bereits $4,30 im Pot liegen und er nur 40 cent zahlen muss, um mit etwas Glück am Ende doch noch zu gewinnen. Doch in dieser Situation gewinnt der SB mit AQ


Raise starke Hände



Spieler D hat mit AJ offsuit ein gutes Startblatt. Es gibt hier überhaupt keinen Grund nur zu callen. Die große Gefahr dabei ist, dass man Spieler mit schwächeren Blättern dazu einlädt sich billig den Flop anzuschauen. Hätte theoretisch jemand mit T8 gecallt, so hätte dieser Spieler Two Pairs gefloppt und hätte mit einem anschließenden Full House die Hand für sich entschieden.
Doch auch in diesem Beispiel läuft D gegen ein Full House an, welches absolut vermeidbar gewesen wäre. Durch einen Pre-Flop Raise hätte D signalisiert eine starke Hand zu halten. Man kann sich bzgl. der Erhöhung an folgende Faustregel halten: Raise um 4 BB + 1 BB pro Limper. In diesem Fall hätte D also auf 20 cent raisen müssen.
Am Flop spielt D endlich sein As an. Doch er erhöht nur um 4 cent. Von einem Raise in dieser Größenordnung geht keine Gefahr aus. Seine Hand ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht stark genug, um den Kontrahenten einen derartig billigen Preis anzubieten. Hätte D Pre-Flop geraised und am Flop eine stärkere Bet gemacht, so hätte er dem SB signalisiert, dass 77 zu diesem Zeitpunkt sehr schwach ist. Im Normalfall hätte der SB dann am Flop folden müssen. Doch hier erweist sich mal wieder die goldene Regel des Poker: Fehler des Gegners werden gnadenlos ausgenutzt.


Wenn du raised, dann vernünftig



Ein Raise um nur 1 BB, wie im Falle D’s, ist kein Raise, sondern rausgeworfenes Geld.
Halte dich an die Faustregel: Raise um 4 BB + 1 BB pro Limper. Variiere deine Erhöhungen um z.B. 3-5 BB + 1 BB pro Limper. Aber nicht weniger.


Spiel deine Position




Spieler F hält mit A2 suited ein eher mittelmäßiges Blatt. Er hat jedoch den Vorteil vom Button aus agieren zu können. Das heißt er wird bei jeder Setzrunde als letzter entscheiden können, wie er seine Hand spielen will. Das ist ein enormer Vorteil.
In diesem Fall haben sich alle Spieler vor ihm entschieden zu folden. Wenn es keinen Limper gibt, dann sollte F mit einem Blatt wie A2 suited raisen. Denn die Chancen so die Blinds zu stehlen sind nicht schlecht. Wohlgemerkt verhält sich dies anders wenn F in der First Position sitzen würde. Denn dann kämen nach ihm noch zahlreiche andere Spieler, die F im Falle eines Reraises wohl zum folden zwingen würden.
Wie man der Grafik entnehmen kann, haben sowohl der SB als auch der BB ein schwaches Blatt. Einen Pre-Flop Raise müssten beide folden. Da F jedoch nur callt, gibt er beiden Spielern die Möglichkeit eine schwache Hand zu einem billigen Preis spielen zu dürfen. Die Gefahr, dass eine für F ungünstige Karte fällt, sollte nicht unterschätzt werden. In diesem Fall hat er jedoch Glück gehabt.


Achte auf das Board



Dies ist ein typisches Beispiel wie ein mittleres Pärchen im Falle von zwei im Board liegenden Pärchen an Wert verliert. Bis zum Turn liegt der SB mit seinem 7er Pocket Pair vorne. Zudem hat er einen Open-Ended Straight Draw. Das einzige was sich der SB nicht wünschen darf ist ein weiteres Herz. Zwar hätte er dann einen Flush, doch E würde ihn mit dem King High Flush schlagen.
Doch auf dem River fällt genau die Karte, die viele Spieler in so einer Situation nicht auf der Rechnung haben. Es fällt die zweite 9. Sowohl der SB als auch E haben nun Two Pair. Da E mit dem King High den besseren Kicker hält, gewinnt er.
Gerade mit kleinen Pärchen sollte man daher immer aufpassen, dass das Pair nicht an Wertigkeit verliert.


Schütze deine Hand



G flopt einen Flush. Mit seiner Kreuz 6 hat G allerdings einen sehr schwachen Flush. Denn die 2 und die 5 liegen bereits im Board. Sprich: Fast alle anderen Karten in Kreuz würden ihn schlagen. Er sollte daher seine Hand schützen.
Auf dem Flop erhöht C. D und F callen. G kann daraus schließen, dass das einfarbige Board niemanden der drei Gegner abschreckt. Er muss damit rechnen, dass jemand auf einen besseren Flush zieht. G entscheidet sich korrekterweise für einen Reraise, der in dieser Situation sogar noch höher ausfallen könnte. Auf dem Turn lässt sich G von D’s Raise einschüchtern. Er hätte einen Reraise wagen sollen, um D zum folden zu zwingen. Als das vierte Kreuz auf dem River fällt, ist es für G an der Zeit sich von der Hand zu trennen. Doch fälschlicherweise ist er dazu bereit weitere $2.10 zu zahlen. Hätte es G nicht versäumt seine Hand besser zu schützen, so hätte er diese Runde mit Gewinn statt Verlust beenden können.


Überschätze nicht die Stärke deines Blattes




G kommt neu an den Table und bekommt sofort Pocket Jacks. Sein Pre-Flop Raise fällt zu mager aus, denn seine Kontrahenten müssen lediglich 2 BB’s nachzahlen. Der Flop fällt für G allerdings nicht sonderlich günstig aus. Mit dem As liegt eine höhere Karte im Board, die ihn schlagen würde. Im Pot liegen $8.50. Seine Flop Bet von $2 ist zu niedrig um damit ein As zu repräsentieren. In G’s Fall reicht sie jedoch aus um Informationen zu bekommen.
Der SB lässt sich von dem Raise selbstverständlich nicht einschüchtern. Mit geflopten Two Pair hält er ein sehr starkes Blatt. Fälschlicherweise wägt sich G weiterhin vorne. Spätestens bei der Bet des SB am Turn muss G dem SB das As glauben. Doch stattdessen versucht G hoffnungslos das As zu repräsentieren. Am Ende hat G $20 dafür bezahlt, dass er die Stärke seiner Hand überschätzt hat.


Traue dich auch gute Hände zu folden



Erneut passiert es einem Spieler, dass er seinen Pre-Flop Raise zu niedrig ansetzt. Da es bereits 4 Limper gibt, sollte G zumindest um das doppelte, also 80 Cent, erhöhen. Denn je höher der Raise, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass B und F Pre-Flop folden.
G’s Bet am Flop ist im Verhältnis zur Potsize ($2.15) recht klein ausgefallen. Für B und F, die neben ihrem Pocket Pair auch einen Gutshot haben, ist dies ein easy call. Spätestens am Turn muss G seine Hand folden. Als B mit seinem Drilling raised und F einen Reraise ansetzt, hat sich G zu verabschieden. Die Straight Gefahr ist einfach zu groß.
Manchmal fällt es einem sehr schwer gute Hände zu folden. Doch in diesem Fall wirft G völlig unnötig weitere $1,80 zum Fenster hinaus. Verglichen mit seinem Stack eine Fehlinvestition, die weh tut. Also: Habt Mut auch mal zu folden.


Vorsicht bei All-Ins



Eine klassische Situation: BB hat mit AK ein gutes Startblatt, verfehlt aber den Flop. Dennoch hat er mit seinen beiden Overcards gute Chancen zu gewinnen. Er raised und fängt sich einen Re-Raise All-In ein. Was tun?
Man kann die Frage auch umdrehen. Wann würdest du im Cashgame All-In gehen? Prinzipiell doch nur, wenn die eigene Hand stark genug ist. Pauschal gesagt vielleicht ab Drilling und noch besser.
Wenn der BB Pech hat, trifft er hier sogar auf eine geflopte Straight. Aber einen Drilling sollte man in so einem Fall immer auf der Rechnung haben. Der BB müsste hier eindeutig folden.


Wenn du bluffst, dann richtig




Irrsinnigerweise ist der SB bereit mit 75 offsuit einen solchen Raise zu callen. Auf dem Flop erhöht der SB soweit, dass B zum All-In gezwungen wird. Was soll das?
Vom SB ging Pre-Flop keine Gefahr aus. Er muss damit rechnen, dass B ein ernstzunehmendes Blatt hat. Allein schon die Tatsache, dass im Flop eine Dame liegt, ist für SB’s Aktion extrem unvorteilhaft. Denn wenn B mit seinem verhältnismäßig kleinen Stack erhöht, wird er schon etwas Gutes haben. Der Bluff vom SB ist somit schwach gespielt und zum Scheitern verurteilt.
Prinzipiell sollte man sich an Micro-Limit Tischen oder auch bei Freerolls mit reinen Bluffs eher zurück halten. Die Bereitschaft der Spieler zu callen ist viel größer als in höheren Limits.
Wichtig dabei ist, dass man genau beobachtet wer in der Hand beteiligt ist und wie das Verhalten der Spieler bei Einsätzen war. Sprich: Wenn ich Pre-Flop mit KQ raise und nur einer callt, dann kann ich bei einem As im Flop versuchen das As anzuspielen. Genauso andersherum: Wenn ich mit Trash im BB den Flop umsonst sehen darf, und es fallen 448 im Flop, so kann ich versuchen den Drilling anzuspielen. Das Board muss zu dem eigenen Verhalten passen.

Jims: Noch eine Ergänzung zum Call des Small Blind mit 5-7. Der ist wirklich sehr schlecht. Nicht, dass Calls mit 5-7 immer schlecht wären, aber in dieser Situation aufgrund des Stacks des anderen kein guter Move.

Die Logik geht so, wenn man mit 5-7 called, möchte man Two Pair oder Straigh etc. floppen , da der andere nicht damit rechnet das man 5-7 hat und er sein Overpair weiter aggressiv spielt, gewinnt man einen Riesenpott. Da der Gegner hier aber nur 3.5$ hat, kann man keinen Riesenpott gewinnen, also 5-7 am besten gleich wegschmeissen (was prinzipiell eine gute Idee ist).


Achte auf die korekten Pot Odds




Spieler A callt mit QT suited, einem eher mittelmäßigem Blatt, einen recht hohen Raise. Prinzipiell ist dies verkehrt. Doch aus Fehlern ergeben sich gelegentlich neue Chancen. In diesem Fall hat A die Möglichkeit einen Flush zu erzielen.
Beim Flop liegen exakt $1.55 im Pot. Der BB erhöht um 70 Cent. Das heißt die Potsize liegt bei $2.25. Wenn A die 70 Cent callt, erhält er Pot Odds von 3,2-1 (2.25:0.7=3.2). Bei einem Flush Draw hat A exakt 9 Outs. Da noch die Turn- und Rivercard fehlen, lohnt sich für A ein Call, wenn die Pot Odds mindestens 1,9-1 sind. Sein Call ist somit korrekt.
Am Turn angekommen sind $2.95 im Pot und der BB erhöht um weitere 70 Cent auf $3.65. Bei einem Call erhält A somit Pot Odds von 5,2-1. Da nur noch eine Karte kommt, liegt A’s Break-Even Point bei 4,1-1. Folglich kann er erneut zu einem guten Preis den River sehen. Sein Call ist absolut korrekt.
Am Ende verfehlt A zwar seinen Flush. Sein Wetteinsatz war jedoch im Verhältnis zur Wahrscheinlichkeit korrekt. Und genau dies ist enorm wichtig um auf lange Zeit profitabel zu spielen.


Bad Beats sind unvermeidlich



Nicht immer ist Fortuna auf deiner Seite. Ärger dich nicht. Das nächste Mal läuft es andersherum.



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